Berlin als lebendiges Geschichtsbuch
Abschlussfahrt bildet den Höhepunkt von historischer und politischer Bildung
Was im Geschichtsunterricht begann, endete dort, wo deutsche Vergangenheit bis heute an vielen Orten sichtbar und spürbar ist: in Berlin. Für den Abschlussjahrgang der GRS Villingendorf war die gemeinsame Exkursion weit mehr als eine Klassenfahrt – sie bildete den Abschluss einer zweijährigen Reise durch die deutsche Historie und das politische System der Bundesrepublik.
Während den vergangenen beiden Schuljahren lag der Fokus auf den letzten 140 Jahren unseres Landes: vom Kaiserreich über den Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik bis hin zum Nationalsozialismus, dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg. Anschließend standen die deutsche Teilung, der Kalte Krieg, der Eiserne Vorhang, Glasnost und Perestroika, der Fall der Berliner Mauer sowie die deutsche Wiedervereinigung im Mittelpunkt des Unterrichts.
Auch die politische Gegenwart kam nicht zu kurz. Im Rahmen der Unterrichtseinheit zur parlamentarischen Demokratie besuchten die Schülerinnen und Schüler bereits den Landtag in Stuttgart sowie das Europäische Parlament in Straßburg und erhielten dort jeweils Einblicke in demokratische Entscheidungsprozesse auf Landes- und europäischer Ebene.
Die Abschlussfahrt nach Berlin führte diese Themen nun auf eindrucksvolle Weise zusammen. Besonders bewegend war der Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen. Dort wurde den Jugendlichen bewusst, welche schrecklichen Folgen Menschenverachtung, Rassenideologie und Großmachtstreben haben können. Nachdenklich stimmte auch der Besuch des Denkmals für die ermordeten Juden Europas mit dem unterirdischen Ort der Informationen. Die dort dokumentierten Lebensgeschichten machten deutlich, dass hinter den unfassbaren Zahlen des Holocaust unzählige individuelle Schicksale stehen.
Wie sich die deutsche Teilung auf das Leben der Menschen auswirkte, erfuhren die Jugendlichen im Mauermuseum am ehemaligen Checkpoint Charlie. Fluchtgeschichten, originale Exponate und Berichte eines Zeitzeugen, der die Gruppe führte, ließen ein Kapitel deutscher Geschichte lebendig werden, das im Unterricht bereits ausführlich behandelt worden war.
Den Bogen zur Gegenwart schlug schließlich der Besuch des Bundestags. Dort konnten die Schülerinnen und Schüler erleben, wie Demokratie funktioniert und welche Bedeutung politische Mitbestimmung für das Zusammenleben in einem freiheitlichen Staat besitzt. Damit schloss sich der Kreis zu den vorausgegangenen Exkursionen nach Stuttgart und Straßburg.
Selbstverständlich blieb auch Zeit zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Beim Bowling, auf einer Spreefahrt durch das historische und politische Berlin, bei der Auffahrt zur Kuppel des Berliner Fernsehturms und bei Madame Tussauds wurde gelacht, gestaunt und die auslaufende Schulzeit in entspannter Atmosphäre gefeiert. Für die Jugendlichen wurde Berlin auf diese Weise zu einem lebendigen Geschichtsbuch und zu einem würdigen Abschluss ihrer gemeinsamen Schulzeit.