Kompetenz- und Alltagstraining an der GWRS Villingendorf

Was haben „Power-Posen“ mit der Zukunft unserer Schüler zu tun?

Teil II: Sprache, Körperhaltung, Gestik, Mimik und Kleidungsstil – die wichtige Rolle des ersten Eindrucks

Können Körpersprache und Körperhaltung das eigene Selbstwertgefühl steigern? Verändert sich dadurch möglicherweise auch unser Einfluss auf die Mitmenschen? Jochen Hermann ist überzeugt davon. Im Sakko, einer guten Stoffhose und mit eleganten Schuhen tritt er heute vor die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse. „Klar hätte ich auch im Schlabberlook inklusive Trainingshose kommen können – wie wäre das dann aber bei euch angekommen?“, wirft er in die Runde. Sofort entwickelt sich ein lebhafter Austausch zu der Wirkung von verschiedenen Modestilen. Und Erfahrungswerte gibt es dazu reichlich. Ein Junge berichtet, dass er sich neulich auf einem Fest im Anzug und mit Krawatte ziemlich „overdressed“ vorgekommen sei. Weitere Stimmen nehmen die typische Alltagskleidung ins Visier, die sich vor allem bequem anfühlen und einigermaßen lässig aussehen müsse. Dass diese im Sommer bei den Frauen durchaus etwas knapper ausfallen könne, wird dabei auch nicht verschwiegen. „Ihr selbst bestimmt mit eurem Outfit, wie nah ihr die anderen Leute an euch heranlasst“, fasst Hermann die bisherigen Erkenntnisse zusammen. Denn allein schon durch die Kleidung signalisiere man der Umwelt beispielsweise Offenheit, Distanz, Respekt oder Ablehnung. Entsprechend werde auch der erste Eindruck maßgeblich von ihr mitbestimmt.

Es folgt eine Übung, bei der Gesten im Mittelpunkt stehen. Dabei wird viel gelacht, weil einigen Schülern eine bewusst überzogene Darstellung von bekannten Alltagssituationen gelingt. Nach und nach arbeitet Hermann zusammen mit den Jugendlichen wichtige Aspekte heraus. So vermitteln etwa langsame, elegante Bewegungen, ein unverkrampftes Lächeln gepaart mit einer aufrechten und ruhigen Kopfhaltung hohen sozialen Status. Sicherheit werde ebenso vermittelt, wenn man sich beim Sitzen locker zurücklehne, dabei Ruhe ausstrahle, mit kräftiger Stimme spreche, beide Beine fest auf dem Boden und die Hände vor dem Körper halte. Unsicherheit verrate sich dagegen durch nach innen verdrehte Füße, schnelle und ruckartige Bewegungen, das Zusammensinken auf einem Stuhl oder ein permanent nervöses Fingerspiel. „Es ist leider so“, lenkt Hermann den Fokus wieder auf den Beginn sozialer Interaktionen, „der erste Eindruck öffnet oder schließt Türen – hier gibt es keine zweite Chance“. Die Übungen und Erprobungen zeigen klar, wodurch sich der erste Eindruck beeinflussen lässt: Körperhaltung, Kleidung, Mimik, Gestik, gepflegtes Gesamtbild hinsichtlich der Körperhygiene, Sprache (wie, was, Tempo), Make-up/Parfüm (dezent) und Blickkontakt. Dass beim Gesprächspartner nach einem laschen Händedruck ein unwohles Gefühl zurückbleibt, erfahren die Jugendlichen wieder im Selbstversuch. Zum Händegeben müsse man stets aufstehen, dürfe die Hände nicht schütteln und sollte für etwa zwei Sekunden einen ordentlichen Druck aufbauen. Die Handflächen könnten zuvor diskret an der Hose getrocknet werden.

Problem: bei Vorstellungsgesprächen dominiere die Nervosität. „Obwohl hier viele Kandidaten den ersten Eindruck im Blick haben, wirkt ihr Auftreten nicht authentisch“, verrät Hermann. Das Äußere stimme dann oft nicht mit der inneren Gemütslage überein. Als mögliche Abhilfe könne das „Power-Posing“ dienen. Dieses sei immer und überall durchführbar, bedürfe gerade einmal zwei Minuten unmittelbar vor einer wichtigen Begegnung und könne ohne Hilfsmittel praktiziert werden. Denn die Körperhaltung habe Einfluss auf unsere Gefühle. Dazu müsse eine selbstbewusste Pose eingenommen und gehalten werden. „Füße auf den Tisch, dazu Hände hinter dem Kopf verschränkt. Oder lässig an einen Tisch lehnen und sich mit einer Hand darauf abstützen“, leitet Hermann die Gruppe an. Verschiedene Power-Posen werden direkt ausprobiert. Tatsächlich zeigen Studien, dass Probanden, die im Vorfeld für zwei Minuten selbstbewusste Körperhaltungen eingenommen hatten, im anschließenden Vorstellungsgespräch deutlich risikobereiter und selbstsicherer auftreten konnten. Füße fest und parallel in Hüftbreite auf den Boden, durchgedrückte Knie, gerade Haltung des Oberkörpers, die Hände seitlich in die Hüften gestemmt, Blick waagrecht nach vorne. Oder im leichten Ausfallschritt vor einen Tisch stellen, den Oberkörper leicht vorbeugen und mit durchgedrückten Armen und gespreizten Fingern auf der Tischplatte abstützen. „Ich spür‘ schon, wie’s wirkt“, lacht ein Schüler. Aber auch bei den Übungen heute im Musiksaal zeigen sich durchaus positive Effekte.

Der zweite Nachmittag des Alltagstrainings ist gefühlt bereits wieder vorbei, bevor er richtig begonnen hat. Erneut konnte Jochen Hermann einen guten Draht zu der Gruppe aufbauen. Vieles vermittelt sich den Schülern spielerisch und leicht aus dem eigenen Tun heraus. Bücher und seitenlange Aufschriebe sucht man hier vergebens. „Durch den ganzheitlichen Ansatz bleiben wesentliche Inhalte in den Köpfen“, erklärt Hermann. Erst zum Schluss werde es für alle Teilnehmer ein entsprechendes Skript geben. Drei weitere Termine schließen sich noch an, auf die man gespannt sein darf.

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