Präventionsveranstaltung der Polizei

Wenn ein Handy das Fahren zum Blindflug macht

Bei uns in Deutschland stellt der demographische Wandel Politik und Gesellschaft vor große Herausforderungen. Der Anteil älterer Menschen steigt gegenüber dem Anteil der jüngeren Bevölkerung. Obwohl die Gruppe der Jugendlichen zahlenmäßig abnimmt, werden fast ein Drittel aller registrierten Unfälle durch Fahranfänger verursacht. Die Statistik spricht hier also eine deutliche Sprache: Als Fahranfänger haben Jugendliche ein erhöhtes Unfallrisiko. Deshalb ist es wichtig, die in Kindergarten und Grundschule begonnene Mobilitätserziehung auch in den oberen Klassen fortzusetzen. Hier sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, Risiken im Straßenverkehr richtig einzuschätzen, Gefahrensituationen zu vermeiden oder, falls sie nicht mehr zu verhindern sind, zu bewältigen. Außerdem sollen Qualifikationen vermittelt werden, die für ein selbstständiges, eigenverantwortliches und sicherheitsbewusstes Verhalten im Verkehr benötigt werden.

Jürgen Stöhr vom Polizeipräsidium Tuttlingen kam deshalb gerne an die GWRS Villingendorf: „Wir wollen durch unsere Aufklärungsarbeit die Unfallzahlen senken und das partnerschaftliche Verhalten im Straßenverkehr fördern“. Allerdings gab Stöhr auch zu bedenken, dass das Wissen allein noch nicht vor Gefahren schütze, da erst die richtige Einstellung zu Verhaltensänderungen führen könne. So sei jeder, der sich im öffentlichen Raum bewege, ein Verkehrsteilnehmer – ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, auf Inlineskates oder als Autofahrer. Jedes Jahr werde im Land bei der Zahl der Verletzten die Größenordnung einer Stadt erreicht. „Und die Menge der tödlich verletzten Unfallopfer lässt sich mit der Bevölkerung eines kleinen Dorfes vergleichen“, berichtete Stöhr. Hinter solchen statistischen Veranschaulichungen stünden aber jeweils menschliche Schicksale und ein durch Zahlen kaum zu beschreibendes Leid.

Jürgen Stöhr vom Polizeipräsidium Tuttlingen

Warum Jugendliche besonders häufig an Unfällen beteiligt seien, liege vor allem an deren Unerfahrenheit, Selbstüberschätzung, Risikobereitschaft, Übermut, Alkohol- bzw. Drogenkonsum und nicht zuletzt an falschen Vorbildern. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10, die mehrheitlich noch kein Auto lenken dürfen, ergänzten das Gespräch durch eigene Erfahrungswerte – immerhin sind viele regelmäßig als Beifahrer unterwegs. Auch in solchen Äußerungen kamen die häufigsten Unfallursachen zum Tragen: Raserei, zu geringer Abstand, riskante Überholmanöver, Unaufmerksamkeit und Rauschmittel. Leider könne man zudem häufig beobachten, dass während der Fahrt nicht die Straße, sondern das Smartphone im Mittelpunkt des Interesses stehe. Auf der Autobahn werden dann bei hohen Geschwindigkeiten nicht selten bis zu 150 Meter im Blindflug zurückgelegt, gab Stöhr zu bedenken. Und was das bedeute, könne man am Anhalteweg, der sich aus Reaktionszeit und Bremsweg zusammensetze, sehen. Nicht umsonst sei im allgemeinen Sprachgebrauch von der „Schrecksekunde“ die Rede: diese Zeit brauche nämlich ein durchschnittlicher Mensch, um überhaupt auf eine plötzliche Veränderung reagieren zu können.

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„Wer bei 50 km/h voll bremst, steht nach etwa 27 Metern“, erklärte Stöhr. Fahre man jedoch innerorts mit 60 km/h nur „wenig“ schneller, so bewege sich der Wagen nach 27 Metern immer noch mit einem Tempo von 40 km/h. Die Geschwindigkeit könne also unter Umständen über Leben oder Tod eines Fußgängers entscheiden. Im Winterhalbjahr müsse man zusätzlich stets mit Straßenverhältnissen rechnen, die den Bremsweg um mehrere Meter verlängern können. Während des Sommers werde oft das Aquaplaning bei Regen unterschätzt. Wenn dann noch Dunkelheit und die Euphorie nach Diskobesuchen hinzukämen, sei die Situation meist besonders kritisch. Und: der Anschnallgurt bleibe bei aller zusätzlichen Technik ein unverzichtbarer Sicherheitsaspekt. „Bitte prüft immer, zu wem ihr ins Auto steigt“, appellierte Stöhr. Habe der Fahrer Rauschmittel konsumiert oder zeige ein überschäumendes Temperament, sei allerhöchste Vorsicht geboten.

Auch heute wurde wieder deutlich, dass sich die Jugendlichen im Grunde bereits bestens auskennen. Die meisten wissen, wie sie sich verhalten sollten, orientieren sich aber häufig an bedenklichen Vorbildern. So gilt bei manchen Schülern das Anlegen des Gurtes als äußerst „uncool“, allen möglichen Verletzungen zum Trotz. Und besonders die jungen Männer suchen Abenteuer und Risiken, um ihre Grenzen kennen zu lernen, das Machbare auszuloten und ihren Freunden zu beweisen, wie toll sie sind. Experimente mit Alkohol und Drogen gehören bei einigen ab einem gewissen Alter ebenso dazu wie Mutproben. Erhöht unfallgefährdet sind unsere Kinder auch dann, wenn sie mehr emotional als rational handeln. Auch Jugendliche mit einem geringen Selbstwertgefühl nutzen den Straßenverkehr, um Unsicherheiten und Frust zu kompensieren oder sich bzw. anderen etwas zu beweisen.

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