Die Jobmesse mit dem Erfolgsrezept
Das Villingendorfer Berufsforum zeigt, wie man Schüler motiviert. Die Aussteller sind voll des Lobes, denn der Erfolg hat einen ganz klaren Grund.
Von Anja Schmidt – Schwarzwälder Bote
Volles Haus und pulsierendes Leben auf dem Gelände der Grund- und Realschule Villingendorf. Das 12. Regionale Berufsforum verwandelte die Schule in eine lebendige Jobmeile.
Doch wer dachte, hier würden von den Jugendlichen nur passiv Flyer und Kugelschreiber eingesammelt, der irrte gewaltig. Das Villingendorfer Modell setzt auf Tiefgang, Augenhöhe und eine durchdachte, stufenweise Heranführung.
Das Geheimnis liegt im Konzept der Schule, die Jugendlichen über Jahre hinweg an die Berufswelt heranzuführen. Schon ab der Klassenstufe 7 dürfen die jungen Schüler ganz ungezwungen über das Gelände laufen, um sich einfach an die Atmosphäre zu gewöhnen und erste Messe-Luft zu schnuppern, sagt Konrektorin Eugenia Remisch.
Ab der Klasse 8 werde es dann konkreter, wenn die Jugendlichen gezielt auf die Suche gehen und Kontakte mit den Ausstellern knüpfen und dabei ein Praktikumsplatz einheimsten und in den Klassen 9 und 10 gehe es schließlich „um die Wurst“, also um den künftigen Ausbildungsplatz.
Ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor auf diesem Weg ist, dass die Schule die Eltern von Anfang an fest ins Boot holt. Das Zusammenspiel zwischen Schule und Elternhaus schafft eine vertraute Atmosphäre. „Eine mega interessante Messe“, schwärmte eine Mutter vor Ort begeistert.
Von sozialen Berufen über die Industrie bis hin zu Feuerwehr und Polizei sei alles vertreten. Vor allem für das Sichern von Praktikumsplätzen war der gemeinsame Besuch aus ihrer Sicht Gold wert. Mit stolzen 74 Ausstellern ist die Messe, die allein von einem Lehrerteam, organisiert wird, „von vorne bis hinten sehr gut organisiert, lobte Andreas Bitzer von der Firma Kern Liebers.
„Für das, dass das eine Schule ist, ist die Leistung wirklich herausragend.“ Als clevere Idee lobten die Aussteller auch die Idee mit den Stempeln. Statt schüchterner Blicke sah man überall Schüler, die sehr motiviert, bemerkenswert offen auf die Stände zugingen und dafür mit einem Stempel belohnt wurden.
Optisch unterstützt wurde das Ganze durch farbige Interessen-Aufkleber auf der Kleidung, die den Ausstellern sofort signalisierten, für welches Berufsfeld das Herz des jeweiligen Schülers schlägt. Die Strahlkraft der Veranstaltung reichte über die eigenen Schulgrenzen hinaus.
Unter die Villingendorfer Schüler mischten sich zahlreiche externe, freute sich Remisch. Dieses große Interesse spürten auch die Unternehmen vor Ort. Die Vertreter des Rottweiler Traditionsunternehmens Birk betonten, dass es nicht um die schiere Masse an schnellen Kontakten gehe, sondern darum, qualitativ hochwertige und fundierte Gespräche zu führen, was gelungen sei.
Nahezu jedes Gespräch mündete in der motivierten Frage der Schüler, ob sie ein Praktikum absolvieren dürften. Dabei scheuten sich die Jugendlichen im direkten Austausch auch nicht, die ehrlichen Fragen zu stellen, die ihnen auf den Nägeln brennen – sei es zu Arbeitszeiten oder zu den Verdienstmöglichkeiten.
Dass diese Form der direkten Begegnung handfeste Früchte trägt, untermauerte die Agentur für Arbeit mit einem außergewöhnlich großen Lob an die Schule. Während das Handwerk landesweit unter Nachwuchsmangel leidet, zeichnet sich in Villingendorf eine spürbare Trendwende ab.
Die Beraterin der Arbeitsagentur betonte, dass sich an dieser Schule erfreulich viele Schüler ganz bewusst für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden. Konrektorin Remisch zeigte sich im Ergebnis vor allem stolz auf ihrer Schüler.
Sie habe im Laufe des Tages Jugendliche beobachtet, die mit ihrer Messekarte zu den Ständen gingen, um gezielte Gespräche zu führen, und sich ihren Stempel durch echtes Interesse einfach verdient hätten.